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800 Jahre Schlenzer

2014 feierten die Bewohner von Schlenzer das 800-jährige Bestehen ihres Ortes. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1214; allerdings wurde bei der Renovierung des Kirchturmes 2011 ein Balken entdeckt, der auf 1181 datiert werden konnte. Das Dorf wurde wie einige andere Dörfer der Umgebung vom durch Zisterziensermönche aus dem Rheinland 1171 gegründeten Kloster Zinna erworben. Schlenzer, auch „Schlenziger“ oder „Schlentzer“ genannt, heißt in slawischer Sprache „Sonnenberg“.

 

Die Reformation, ausgelöst durch Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 im nur 50 km entfernten Wittenberg, erreichte auch Schlenzer. Seit „Michaelis“, dem 29. September 1533, ist Schlenzer evangelisch. Zu dieser Zeit wirkte hier Pfarrer Friderikus Dionisius, geboren um 1552. Er hinterließ wichtige Handschriften, in denen er bis zu seinem Tod 1626 Historisches und Zeitgenössisches zur Geschichte seiner Heimat festhielt. Er ist hier begraben. Sein Sohn Ambrosius führte dieses Werk weiter.

 

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf niedergebrannt, die Einwohner wurden getötet oder starben an Pest und Hunger. 1642 wird berichtet, das Dorf sei ganz wüst (verlassen) und abgebrannt.

 

Das Dorf wurde wiederaufgebaut. Dabei wurden die Wohnhäuser oft massiv gebaut, die Scheunen jedoch mit Fachwerk versehen. Hierbei wurde nicht mit Kalk, sondern mit Lehm gemauert. Der Lehm stammte wohl aus der heute noch „Lehmkite“ genannten Kuhle am nördlichen Dorfrand. Ziegel wurden in zwei örtlichen Ziegeleien gebrannt. Schlenzer ist nicht nur reich an Sand, sondern auch an Lehm, Ton und Steinen. So holten die Töpfer von Jüterbog jahrhundertelang ihren Ton aus Schlenzer.

 

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Um 1900 nahm die Schafzucht eine wichtige Rolle im Dorfleben ein. Die Schlenzerschen Schäfer und Hirten spielten auf Holzblasinstrumenten Choräle und Volkslieder, während die Schafe ihre kümmerliche Nahrung suchten. Das Haus Nr. 7 war das Hirtenhaus, dicht daneben stand das Armenhaus. Heute steht an diesem Platz das 1932 erbaute Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr Schlenzer. Das Löschwasser holten sie aus zwei Dorfteichen, von denen der eine später zum Park umgestaltet wurde. Wegen des lehmigen Untergrunds versiegte das Wasser nicht. Mit „Hundewagen“ – Handwagen, auf denen Fässer standen – wurde Wasser für das Vieh aus den Teichen geholt. Weil Wasser im hoch gelegenen und trockenen Schlenzer immer ein Problem war, beschloss man 1900, an der Friedenseiche mitten im Dorf einen großen, 80 m tiefen Brunnen zu bauen. 1921 wurde Schlenzer mit elektrischem Strom versorgt. Nun konnte das zuletzt gebaute Wasserwerk auf dem Mühlenberg mit Strom betrieben werden.

 

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges kam es auch in Schlenzer zu einem großen Zuzug von Vertriebenen und Umsiedlern, so dass die Einwohnerzahl 1946 auf 550 anwuchs bei dann sehr beengten Wohnverhältnissen. Später und insbesondere nach der Wiedervereinigung sank die Einwohnerzahl stark und hat sich jetzt auf knapp 200 stabilisiert.